Lenkung

Natürlich kann man sich fragen, ob Perfektionismus gerade bei solch einem SW Konzept nicht übertrieben ist, Seitenwagen sind nun mal nicht perfekt und in den meisten Fällen genügt es, wenn man vom Gas geht. Das mag jeder für sich entscheiden. Tatsächlich leben wir in einer Zeit, in der durch Perfektionismus der Verkehr sehr schnell geworden ist und niemand mehr vom Gas gehen muss, was das SW Fahren nicht ungefährllicher macht.

Bevor ich eines hatte, war ich auch im Glauben, dass schon aufgrund der Konstruktion bei einem SideBike alles besser ist. Was ist anders? Was ist inkonsequent?

Dadurch, dass das Seitenrad gelenkt ist, bietet es in jeder Fahrsituation eine anders angepasste Vorspur. Dies nutzte der Hersteller, um das Seitenrad deutlich weiter vorn zu setzen als das andere Hersteller tun. Es ist dadurch in allen Fahrsituationen stabiler als Fahrwerke ohne gelenktes Seitenrad, nicht nur theoretisch, es fährt tatsächlich wie ein Go-Kart. Der Nachteil der franz. Konstruktion besteht nach meiner Auffassung darin, dass man nicht der klassischen Konstruktion folgend, die Sitze auf den sehr hohen Bootstunnel legen konnte. Die sind nun auch weiter vorn und damit auch der Schwerpunkt. Die SW Lenkung ist damit nicht mehr nur von Vorteil, sie wird quasi leider auch erforderlich. Mit einer Ausnahme: der Comanche, bei dem sich der Sitz hinter dem Tunnel befindet.

Kurzum: es muss beim Sidebike leider genauso mit der Vorspur und der Federung gespielt werden, wie bei konventionellen Seitenwagen auch. SideBike empfiehlt dazu eine Einstellungsfahrt mit Passagier vor zu nehmen, speziell was die Vorspur betrifft und bietet das Verstellen der hinteren Spurstange als Lösung an, weist dabei aber nicht auf die Grenzen hin.

Nach sechs Jahren Kyrnos und Mega Comete komme ich zu dem Schluss, dass das Seitenrad eine Lenkbewegung vollziehen muss, die sich mechanisch nur annähernd herstellen lässt.

  • Bei Geradeauslauf benötigt das Seitenrad eine Vorspur. (VS=30-35mm)
  • In der Linkskurve benötigt es eine passende Spur (VS=20-25mm), die mit der eingestellten Vorspur oft schon zu groß ist.
  • In der Rechtskurve muss das Seitenrad nach rechts lenken, es benötigt eine negative Vorspur.

Das Seitenrad sollte also in der Linkskurve eigentlich nicht oder nur ganz wenig lenken. Tatsächlich führt die dynamische Schwerpunktverlagerung auf das Seitenrad zum Untersteuern des Gespannes. Dies umsomehr, je größer die Vorspur ausfällt. Der Kyrnos hat eine Lenkgeometrie der zweiten Side-Bike Generation. Hier wird versucht, das Problem zu mildern durch einen Trick, den auch Jialing übernommen hat. Das Lenkdreieck bewegt das Seitenrad in der Linkskurve zunächst nach links, dann wieder nach rechts. Dies verbessert die Linkskurvenproblematik im "Mittel" und führt dazu, dass in einer engen Kehre, das Seitenrad wie ein Hecklenker die Fuhre hinten herum zieht. Das Hinterrad ist dabei leicht, sein Radieren unerheblich. Dies ist zwar immer noch ein fauler, aber der bestmögliche Kompromiss, der sich mit der Lenkmechanik von Kyrnos und Comete herstellen lässt. Um diesen Effekt her zu stellen, muss die Spurstange vom Vorderrad zum Lenkdreieck durch eindrehen der Gelenkköpfe kurz eingestellt werden, um den Effekt zu mildern müssen sie herausgedreht werden.

Beim Zeus gibt es in der dritten Side-Bike Generation die einzig richtige Lösung: Das Seitenrad behält seine Spur, das Hinterrad führt die Spurkorrektur durch.


Das Lenkdreieck beim Kyrnos. Links- und Rechtslenken verursachen einen Radausschlag nach rechts.