Die Einspritzanlage




Das hier ist ein Blick auf die Einspritzanlage der GTS, wenn der Tank ab ist. Sie ist nicht mystisch und schon gar nicht anfällig oder wartungsintensiv. Anders als Vergaser wird sie auch nach langer Standzeit mit Druck durchgespült und reinigt sich praktisch selbsttätig. Verschleißteil ist eher die Benzinpumpe oder die Einspritzdüsen, sofern sie stark tropfen. Davon ist mir aber kein Fall bekannt. Reinigung ist ab und an für die Sensoren angesagt, so auch für die Lamda Sonde. Kann man die Anlage einstellen? Sollte man? Wie wirkt sich das aus?

Zum Verständnis: mit schärfer werdenden Emissionsanforderungen werden Lamda-Sonden immer präziser und ihre Reaktionszeiten kürzer. Wenn also irgendein Motormanagement bessere Leistung verspricht, dann geht das nur, wenn die Lamda Sonde dabei übertölpelt wird. Es gibt nur eine Lamda Sonde, sie regelt die Gemischzusammensetzung für das ganze System. Die Sonde der GTS ist noch eine der ersten Generation, sie hat eine Reaktionszeit von mehr als 15 Sekunden. Das heisst, genau für diesen Bereich kann durch Beeinflussung der Regler das Motorverhalten geändert werden. Das betrifft dann Kaltlaufverhalten, Ruckeln, Lastwechsel und Gasannahme. mehr nicht. Sowohl der Leerlauf als auch der Lastbetrieb wird von der Lamda Sonde ein geregelt.

Für die Einstellung verbleiben:

  1. der Drosselklappensensor
  2. die Leerlaufluftschrauben
  3. die Potis für die Einspritzzeit




1. Das hier ist der Drosselklappenschalter, 4-stufig. Der Rechner wertet jeden Schaltzustand anders aus. Tendenziell wird das Gemisch angefettet, je weiter die Drosselklappe geöffnet wird. Leicht zu verstellen, entspricht dem Düsennadelprofil einer "logarithmisch" geschliffenen Düsennadel im Vergaser. Vlt. am besten dem höher- und tieferhängen der Nadel oder der Manipulation des Hubes der Beschleunigerpumpe. Ein Einstellen des Sensors wird nur nötig, wenn der Motor generell mit einem anderen Leerlaufniveau gefahren werden soll. Die Mitteneinstellung nach Werkstatthandbuch erfolgt auf den Leerlauf bei warmen Motor, dabei ist es unerheblich, ob der Sensor dem Leerlauf angepasst wird, oder der Leerlauf dem Sensor. Dazu Wartungsstecker im Heck brücken, Killschalter auf "Off" Zündung an, es folgt ein Blinken des Kontrollämpchen für die Motorelektronik. Sind "An-" und "Aus"- Phasen des Lämpchens gleich lang, stimmt die Einstellung. Ansonsten LL-Drehrädchen oder Drosselklappenschalter verdrehen, bis es passt. Zusätzlich lässt sich hier das typisches "Konstantfahrruckeln" bei Einspritzer Motorrädern beseitigen. Einstellung nach Handbuch bei LL Drehzahl -100 oder -200 vornehmen, danach die Drehzahl auf Sollwert stellen. Die Schubabschaltung setzt dann bei einer niedrigeren Drehzahl erst ein.
Es gibt nur einen Drosselkalppensensor und nur einen Luftmengenmesser. Diese beiden Bauteile beeinflussen also die Anlage insgesamt und damit das oben erwähnte Kurzzeit-Lastverhalten.



2. Hier sind die Leerlaufluftschrauben. Anders als beim Vergaser regeln sie nicht die Zugabe eines fetteren Leerlaufgemisches, sondern eben nur Luft. Entsprechend wirkt sich zudrehen auf eine Gemischanreicherung im LL aus, sofern die Luftmengenmessung nicht auf solch kleine Dosen reagiert. LL sinkt, CO steigt, man kann tendenziell ohne Gas anfahren, muss aber die LL-Drehzahl anheben nach dem Zudrehen. Ihre eigentliche Funktion ist das Synchronsieren des Leerlaufes der einzelnen Zylinder zueinander. Werden alle Schrauben gleichmäßig verdreht wirkt sich das zum Beispiel auf den Abstand der Anschlagpunkte für die Drosselklappenwelle bei kaltem und warmen Motor, also auf die Kaltlaufdrehzahl aus.




3. Das ist der "Rechner" eigentlich eine Endstufe, ein "Treiber" oder was auch immer. Hier wird gern dran herum gedreht, weil es so schön einfach ist und man kommt bei der Abgasmessung schnell in die erlaubten Bereiche.
Heute arbeiten die Dinger digital, man kann ihre Kennlinien auslesen und mit einem Programm verändern. Aber: eingestellt wird hier die Einspritzzeit, vergleichbar mit der Größe der Düsen in einem Vergaser. Und das ist wirklich das letzte, was man normal eben schnell mal manipuliert. Hier wird aber die Zylindersynchronisation vor genommen.

Zum Verständnis: Da Drosselklappenschalter und Luftmengenmesser das Gesamtverhalten der Anlage beeinflussen, werden noch Regler gebraucht, die die Zylinder miteinander synchronisieren. Dazu würden im Grunde je drei Regler genügen, um die Abweichung der Zylinder zu einem Basiszylinder ein zu stellen. Es sind aber vier vorhanden, und so meint man vielleicht, noch ganz andere Dinge damit ein stellen zu können. Kann man nicht. Nach 15 - 20 Sekunden übernimmt die Lamda Sonde. Während die LL-Luftschrauben durchaus nach Gehör und rundestem Motorlauf "synchronisiert" werden können, ist bei den Potis CO Einzelrohrmessung angesagt. Auch sollte man sinnvollerweise einen Lastzustand simmulieren, zum Beispiel einkuppeln bei 3000 Umdrehungen mit getretener Fußbremse.

Einstellen des Kaltleerlaufes

Diese Maßnahme wird im Werkstatthandbuch nicht beschrieben, die Kaltleerlaufdrehzahl wird von einem Warmwasserthermostaten geregelt, seine Einstellung ist starr. Dennoch stimmt sie bisweilen nicht. Der Thermostat schafft einen oberen Anschlag für die Drosselklappenwelle, solange der Motor kalt ist. Die Leerlaufanhebung ist abhängig von der Distanz von diesem oberen zum normalen unteren Anschlag. Es geht also darum, den unteren Anschlag zu verstellen, ohne dass die Drehzahl sich ändert.

1. Durch zudrehen der Leerlaufluftschrauben wird die gemessene Luftmenge geringer,

2. die Drehzahl sinkt und muss mit der Handschraube nach oben korrigiert werden. Die Distanz zwischen oberem und unteren Anschlag wird geringer und damit auch die Kaltleerlaufanhebung.

3. Die Grundeinstellung der Leerlaufluftschrauben ist zwei Umdrehunegn offen. Dabei sollte der LL im Kaltlauf um 400 Umdrehungen angehoben werden.

4. Durch öffnen aller Leerlaufluftschrauben wird der Kaltlauf höher, durch zudrehen und geringer.

5. In beiden Fällen ist eine Drehzahlkorrenktur mit der Handschraube durch die Fingeröffnung im Rahmen nötig.

6. Ebenso kann eine Korrektur des Drosselklappenschalters notwendig werden.


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