Frühjahrstour Mai-Juni 2008


1. Tag - Aufi !

2. Tag - Im Land der Zwotakter ist der Viertakter König

3. Tag - Besuch bei der alten Dame

4. Tag - Herr von Ribbeck auf Ribbeck oder eines langen Tages Reise ist die Nacht


5.Tag - Mit Gunst, Ihr Brüder...

Der nächste Morgen war entspannt, aber auch typisch. In dem Bestreben kultivierter Leute, den anderen nicht zu wecken, war ich früh auf, wie immer in der Fremde. Nahm ein Duschbad und packte meine Sachen nicht gerade hurtig, denn im Haus war es noch ganz still. Gegen acht fand ich mich in der Küche ein. Mein überaus kultivierter Gastgeber hatte schon heimlich ein Frühstück bereitet, wiederum in der Annahme, der Mensch (ich) habe feste Gewohnheiten. Ja, die habe ich, ich war zu der Zeit noch ein Frühstücksmensch und ich freute mich darüber. Es kommt aber die Zeit, da man einsieht, dass nicht jeder ein Frühstücksmensch sein kann. Wie auch immer, jedenfalls brauchte ich kein Bier zu trinken. Lustig wars trotzdem und ungezwungen. Klönsnack am Morgen...

Es ging wohl schon auf neun, als wir uns entschlossen auf zu brechen. Schorpi hatte sich frei genommen und wollte gern den Vormittag drangeben, um mir die Heide zu zeigen.

Auftanken in einem der Nachbarorte, ich bekomme die Geografie nicht mehr richtig zusammen und will an dieser Stelle gerne einflechten, dass inzwischen fast zwei Jahre vergangen sind und die Erinnerung mir hilft, aus dem Erlebten eine Geschichte zu machen. Nicht alles hat sich immer wirklich so zu getragen, wie wir es im Kopf behalten. Ich komme darauf zurück.

Nach dem Tanken fuhr ich wie üblich mit offenem Visier, was aber sofort durch irgendein Tier und entsprechenden Nothalt abgestraft wurde und unsere Mini Flotte für 2-3 Minuten zerriss. Hernach fuhr ich brav hinterdrein und man kennt das: wenn man nicht drüber nachdenken muss, hat man überhaupt keinen Plan, wo man lang gefahren ist. Durch die Südheide fuhren wir über Hermannsburg und ich war überrascht, dass die Heide überhaupt besiedelt war. Ich kannte sie hauptsächlich als Riesen-Fussgängerzone, in der Pferdefuhrwerke die Rentner von ihren Bussen zur Erdbeertorte karrten. Aber das ist dann auch die Lüneburger Heide nördlich von Bispingen. Gleichzeitig machte ich mir Gedanken, wie jemand auf die Idee gekommen war, die Heide in Planquadrate zu unterteilen. Vielleicht der Krieg, die Amerikaner? Aber natürlich kam es mir nur so vor. Jedenfalls gab uns die Streckenführung Gelegenheit, regelrecht durch die Heide zu kreuzen wobei wir auch den militärisch genutzten Teil streiften, bis wir am Vormittagsziel (Bad) Fallingbostel eintrafen. Schorpi möge mir verzeihen, wenn ich etwas anderes, im Grunde wichtiges vergessen habe.
Doch ja, eines war noch, für die Technik-Freaks unter den Lesern. Ich glaube, kurz zuvor war die Behördenübersetzung auf seiner K100 montiert worden und es ist mir nicht entgangen, dass er recht flott unterwegs war.

Wir suchten uns ein Eiscafe um einen Espresso o.ä. zu uns zu nehmen. Nein, natürlich kannte Schorpi eines, wir mussten nicht suchen. Man könnte hier nach einem weiteren Klönsnack und einer Autobahnheimfahrt die Geschichte enden lassen, aber es kam genau das, was ich oben mit dem "im Kopf behalten" anriss. Schon bei der Einfahrt in das sommerliche Städtchen war mir aufgefallen, das ungewöhnlich viele Zimmergesellen auf der Walz unterwegs waren. Tatsächlich fand wohl ein Treffen der Tippelbrüder dort statt und wir hatten von der der Terrasse des Cafes Gelegenheit, dem ungewohnten Treiben zu zu sehen. Nicht dass alle ein Ziel aufsuchten, sondern es trafen sich Rotten, hier und da, verabredet oder nicht und ich dachte mir, dass die sich wohl einiges zu erzählen hätten, bis sich abends beim Gelage die Grenzen zwischen Harmonie und Kameradschaft auflösten und der Tag mit einer zünftigen Keilerei beendet werden sollte.
Tatsächlich befand sich mein Fotoapparat in Sichtweite im Kofferraum des Gespanns, ich jedoch, dass es sinnvoller sei, keine Bilder zu machen, sondern die Situation so in Erinnerung zu behalten wie sie sich mir darstellte. Am Ende wäre es alles viel weniger romantisch und tatsächlich habe ich nie eine Notiz im Internet zu diesem Ereignis gefunden, die meine Erinnerung verklären könnte.

Zeit, Abschied zu nehmen, für meinen Heideführer sich Arbeit und für mich das Weite zu suchen.
Zwei Ziele hatte ich heute noch auf dem Programm, das Steinhuder Meer, das eigentlich keines ist und das ich noch nicht kannte. Vielleicht deshalb. Und ein weiteres "Mal sehen", Solling und Weserbergland oder heimwärts durch den Harz. Das Gegondel zum Meer gestaltete sich schon schwierig genug, mitten im flachen Land eine geografische Formation, die einfache Orientierung an der Sonne nicht wirklich ermöglichte. Man konnte entweder das Südufer oder das Nordufer anfahren über Neustadt am Rübenberge. Irgendwie landete ich am Nordufer, das, wie ich dort erfuhr, überhaupt öffentlichen Strand bot, am Südufer sei alles in "Chicki Micky" Hand. Parken irgendwo auf einem der Millionen gähnend leeren Parkplätze, Fussmarsch zum Strand, wo der Betreiber einer Imbissbude schon auf mich wartete. Ich kaufte ihm einen Kaffe ab um auf einen Pier zu gehen und die Beine baumeln zu lassen. Die Füsse blieb dabei trocken.

Noch ein bisschen auf und ab promeniert bis ich merkte, dass mich die Sonne stach und mich verführen wollte, ein Mittagsschläfchen zu halten. Ich beschloss, das auf meinem braven grünen Pferd zu tun. Fahrend versteht sich, es ging auf drei.

Ein Meer bei Steinhude. Die blaue Luft hätte mir gleich verdächtig vorkommen sollen.

Das Gezirkel auf dem Hinweg über die Dörfer, in denen es nicht nach Meer roch und auch kein solches zu sehen war, hatte mich etwas genervt, so dass ich meiner Müdigkeit entsprechend einigen Autos hinterdrein fuhr die mich geradewegs auf eine Schnellstrasse geleiteten und mir ehe ich mir´s versah, die Entscheidung abnahmen Hameln/Weser oder Kreuz Hannover. Noch ehe ich mich darüber ärgern konnte, fuhr ich auch schon nördlich an Hannover vorbei während die ersten Regentropfen aus der Sonne fielen. Dafür war die Autobahn gerade recht. Zum Messegelände hin verdichteten sie sich zu einer Dusche und ich gab etwas Gas. Unwetter ziehen meist mit 150km/h und mehr heran, normale Gewitter etwa mit 100-120. Ich orientierte mich, südlich des Messegeländes kann man schon wieder sehr weit schauen. Das Wetter kam von Nordwest. Über dem Weserbergland lag schwer eine dicke graue Wolke und im Harz waren Blitze zu sehen. Halten war nicht nötig, also fuhr ist stur südkurs der Heimat entgegen. In Göttingen war ich dem Wetter bereits davon gefahren, aber auch eben dem Harz und dem Weserbergland. Ok, dann eben noch über die Kasseler Berge ätzen und südlich bei Alsfeld die Autobahn verlassen und wenigstens die "Abkürzung" durch den Vogelsberg genommen, die aber immer eine knappe Stunde Zeit kostet. Aber die ist es natürlich wert. Jedesmal wieder.

Bei zügiger Fahrt mit dem Auto ohne Tankstopp wären es etwa dreieinhalb bis vier Stunden Fahrt vom Steinhuder Meer nach Hause gewesen. Ich weiss nicht, wie ich darauf kam, noch durch den Harz oder den Solling fahren zu wollen, aber man will ja nichts verpassen und ganz allein ist man schnell bei der Sache. Ich weiss nicht mehr, wann ich zuhause ankam, oder wo ich noch einmal einen Schokoriegel nachlegen musste. Nur dass es "tief in der Nacht" war, wie der nicht-gespann-fahrende Bürger sagt. Aber so schlimm war es nun auch nicht. Spät abends vielleicht und nur in dem Masse durchnässt, wie es der Fahrtwind wieder trocken fönt.

Da eine Nachsorge unnötig war, verblieb auch der Musterbeutel mit den Schraubenziehern und den 10 Schlüsseln noch einige Monate unter der Sitzbank meines frommen Pferdes, das natürlich wie üblich nach getanem Dienst sein Stück Zucker und sein Schulterklopfen bekam.

Frau und Hund froh über meine Rückkehr, aber auch nicht sonderlich überrascht.


Fin